Anästhesie und Narkose

Die Narkose und Anästhesie während einer Operation Ihres Tieres wirft oft Fragen auf. Uns ist es wichtig, dass wir Ihnen schon im Voraus zur Seite stehen und all Ihre Fragen beantworten.

Vor der Narkose

Die Anästhesie und Analgesie stellt in unserem Zentrum für Tiergesundheit einen zentralen Kernpunkt dar. Wie sicher Ihr Tier eine Narkose durchläuft, ist maßgeblich zunächst von drei wichtigen Faktoren abhängig:

  • Zum einen ist das Fachwissen, die Erfahrung und Fähigkeiten des Anästhesisten sehr wichtig
  • Das vorhandene Equipment zusammen mit den verfügbaren Medikamenten ist von Bedeutung
  • Das vorhandene Narkoseregime im Ganzen betrachtet (das heißt nach welchen Protokollen der Anästhesist die Narkose handhabt).

Neben den bereits erwähnten Faktoren spielen noch weitere Gegebenheiten eine Rolle, die das Narkoserisiko beeinflussen. U.a. zählt hierzu die Tierart selbst. Beispielsweise haben Heimtiere tatsächlich gegenüber Hunden und Katzen leider generell ein höheres Risiko. Starkes Übergewicht oder Abmagerung nehmen Einfluss sowie Alter und Größe des Tieres, seine Vorerkrankung bzw. bestehende chronische Erkrankungen und schließlich auch der Ist-Zustand zum Zeitpunkt der Narkose. Handelt es sich z.B. um eine Notoperation bei einem schwer kranken Tier mit instabiler Kreislaufsituation, z.B. bei einer Magendrehung oder einer Milzruptur, so stellt auch die Narkose höhere Anforderungen an unsere bestens aus- und fortgebildeten Anästhesisten.

Wichtige Informationen zu Ihrem Tier

Um uns aufgrund der beschriebenen Einflüsse besser auf die Narkose Ihres Tieres vorbereiten zu können, benötigen wir Ihre Mithilfe.

Diese betrifft v.a. Informationen über Vorerkrankungen und chronische Erkrankungen, die im Zusammenhang mit einer Narkose wichtig sind.

  • Nierenerkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Bauchspeicheldrüsen­erkrankungen
  • Herzerkrankungen
  • Harnabsatzerkrankungen bei der Katze
  • Stoffwechselerkrankungen (Blutzuckererkrankungen, Erkrankung der Nebenniere, Schilddrüse)
  • Lungenerkrankungen
  • Epilepsie
  • bekannter erhöhter Augeninnendruck (Glaukom)
  • und andere Ihnen bekannte Erkrankungen Ihres Tieres

Gemeinsam gehen wir vor der Narkose auf diese Dinge ein und sind Ihnen dankbar, wenn Sie uns etwaige vorhandene Ergebnisse von Blutuntersuchungen oder Röntgenuntersuchungen, ggfls. auch Krankenberichte zur Verfügung stellen.

Vor allem bei planbaren Eingriffen führen wir spezielle Voruntersuchungen durch. Hierbei handelt es sich meist um Blutuntersuchungen, Röntgenuntersuchungen oder Ultraschalluntersuchungen (z.B. Herzultraschall). Diese sollen helfen, bestehende Erkrankungen zu überprüfen sowie bisher unentdeckte Erkrankungen aufzufinden und den aktuellen Gesundheitszustand Ihres Tieres besser einschätzen zu können.

Was für einen Unterschied macht es denn, ob mein Tier eine Vorerkrankung hat oder nicht?

Dies macht einen erheblichen Unterschied in der Wahl der Medikamente, die für die Narkose eingesetzt werden. Hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. So ist bei Erkrankung X das eine Medikament sehr nützlich, hingegen bei Erkrankung Y vielleicht sogar als kritisch zu betrachten.

Bei manchen Erkrankungen bereiten wir unsere Patienten bereits viele Stunden vor dem Eingriff auf die Narkose vor.

Sie sehen, das Thema ist wahrlich komplex und es gibt viele Dinge zu beachten. Wir stehen Ihnen und natürlich Ihrem Tier in jeder Situation zur Seite, klären über besondere Risiken auf und planen gemeinsam.

Ihr Tier ist bei uns in guten Händen.

Wenn Sie mehr über das Thema Narkose in unserem Haus erfahren möchten, haben wir für Sie nachfolgend detailliertere Informationen zusammengestellt.

Unser Equipment

Hochentwickelte Narkosegeräte

Wir haben alle bisherigen Narkosegeräte gegen neue sehr hochwertige Geräte der neusten Generation ersetzt. Jedes einzelne dieser Geräte verfügt über die Möglichkeit einer künstlichen Beatmung, sofern diese erforderlich wird.

Wir machen nicht bei jeder Narkose Gebrauch einer künstlichen Beatmung, sondern nur dann, wenn der Patient diese wirklich benötigt. Dies ist bei gewissen Operationen tatsächlich zwingend erforderlich (z.B. bei Operationen am offenen Brustkorb) und häufig bei länger andauernden Narkosen. Dies liegt darin begründet, dass der Körper eines jeden Patienten, auch bei uns Menschen, durch die verabreichten Medikamente mehr und mehr müde wird. Außerdem benötigen wir für Operationen Medikamente, die eine Entspannung/Erschlaffung der Muskulatur herbeiführen und dazu gehört auch die Atemmuskulatur. Je länger eine Narkose dauert, um so schwieriger fällt es dem Patienten selbstständig ausreichend tief Luft zu holen.

Wir können diesem Phänomen schonend entgegenwirken und eine ausreichende Atmung bei Bedarf herbeiführen und somit eine sichere Sauerstoffzufuhr gewährleisten.

Überwachungs­systeme auf höchstem Niveau

Unsere Überwachungssysteme (Narkosemonitore) ermöglichen uns alle wichtigen narkoserelevanten Parameter in der laufenden Narkose zu überprüfen. Zu unserem Standard gehören:

Das EKG, eine konstante Temperaturüberwachung, die Messung der Sauerstoffsättigung im Blut, des Atemzugvolumens, die Kontrolle aller wichtigen Atemgase (CO2 und O2, sowohl in der Einatmung als auch in der Ausatmungsphase) und die Messung des Narkosegases, welches tatsächlich im Patienten ankommt, sowie eine regelmäßig wiederholte Blutdruckmessung.

Für besonders kritische Narkosepatienten haben wir die Möglichkeit eine arterielle und konstante Blutdruckmessung durchzuführen.

All diese Daten dienen dazu, den Gesamtzustand des Patienten zu jedem Zeitpunkt realistisch und ganzheitlich interpretieren zu können und auf etwaige Entgleisungen sehr früh reagieren zu können. Auf diesem Weg kann sehr effektiv vermieden werden, dass es überhaupt zu ernsthaften und schwerwiegenden Komplikation in der Narkose kommt. Zusätzlich helfen diese Überwachungsmöglichkeiten eine sogenannte balancierte Narkose durchführen zu können. Die Medikamente können dem jeweiligen Ist-Zustand des Patienten und dem Verlauf der Operation punktgenau angepasst werden. Dies senkt die Menge der verabreichten Medikamente oft deutlich und reduziert demnach auch deren unerwünschten Nebenwirkungen.

Infusions- und Spritzenpumpen

Sie sind ein wichtiges Hilfsmittel, um die ausbalancierte Narkose durchführen zu können. Zu jedem Zeitpunkt der Narkose kann die Dosis der Medikamente sehr genau angepasst werden.

Aktive Wärmesysteme

Sowohl wir selbst als auch unsere Tiere kühlen gewöhnlich im Zusammenhang mit einer Narkose aus. Die Körpertemperatur sinkt aus vielen Gründen.

Die entstehende Untertemperatur führt nicht nur zu einem starken Unwohlsein und Kältezittern in der Aufwachphase, sondern hat zudem viele weitere zum Teil auch schwere negative Auswirkungen auf den Körper – u.a. steigert eine Untertemperatur des Körpers das Risiko von Narkosekomplikationen.

Um dem entgegen zu wirken, erfolgt bei unseren Narkosen eine konstante Temperaturüberwachung. Sinkt die Körpertemperatur ab, werden die Patienten zum Teil schon vor dem eigentlichen Eingriff aktiv gewärmt (konduktive und konvektive Wärmesysteme stehen zur Verfügung). Der sinkenden Temperatur treten wir darüber hinaus mit speziellen medizinischen Decken entgegen, die über ein besonders Füllmaterial verfügen, welches hervorragende Isolationseigenschaften hat und somit den Patienten besser vor dem Verlust seiner Körperwärme schützt.

Auch nach der Narkose kann die aktive Erwärmung des Patienten fortgeführt werden.

Medikamente

Ein sehr breites Spektrum an verfügbaren Medikamenten ermöglicht es uns, für nahezu jeden Patienten die passende und erforderliche Kombination der Narkosemittel auszuwählen und individuell anzupassen.

Unser Know-How

Erfahrung und Fachkenntnisse

Die Erfahrungen im Fachgebiet der Anästhesie stützen sich v.a. auf die 3-jährige Arbeit in der anästhesiologischen Abteilung der Kleintierchirurgie der Universität in Gießen. Daneben wurde das dort erlangte Wissen durch weitere Fortbildungen erweitert.

Wir haben die Kenntnisse und Erfahrung über die Wirkweisen der einzelnen Narkosemittel und können zielgerichtet und individuell die Medikamente auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten und den Erfordernissen des anstehenden Eingriffs anpassen.

Unser Team wird regelmäßig in diesem Fachbereich fortgebildet und wir freuen uns sehr, eine europaweit führende Fachtierärztin für Anästhesie und Intensivmedizin als Kooperationspartnerin an unserer Seite zu haben. Sie unterstützt uns tatkräftig in diesem Fachbereich auf dem neusten Stand zu sein, nicht stehen zu bleiben, uns stetig zu verbessern und unsere Narkosen stetig sicherer durchführen zu können.

Lokalanästhesie

Wann immer möglich und sinnvoll, verwenden wir lokale Anästhesien. Hierfür stehen uns verschiedene Techniken und verschiedene Medikamente zur Verfügung. Wenn erforderlich können wir diese auch ultraschallgezielt durchführen, sodass der genaue Ort, wo die Wirkung entfaltet werden soll, getroffen wird.

Warum legen wir die lokale Betäubung einzelner Körperregionen in den Fokus?

Wir möchten Tieren helfen, Leid mindern und Schmerzen gezielt entgegenwirken.

Die lokale Betäubung stellt vereinfacht ausgedrückt im Grunde die einzige Möglichkeit dar, eine vollständige Schmerzausschaltung zu gewährleisten, da die Weiterleitung des Schmerzreizes vollständig unterbrochen wird und keine Schmerzempfindung mehr im Gehirn wahrgenommen werden kann.

Bei uns Menschen werden bereits viele operative Eingriffe komplett ohne allgemeine Narkose durchgeführt (z.B. Zahnbehandlungen). Beim Tier ist dies leider nicht möglich, weil unsere Tiere uns nicht verstehen, wenn wir ihnen sagen, sie sollen ruhig liegen bleiben und sich nicht bewegen. Jedoch müssen die Tiere, sofern das Operationsgebiet vollständig lokal betäubt werden kann, dann nur in einen leichten Narkosezustand versetzt werden.

Dies macht es möglich, die Dosierung der weiteren Narkosemittel ganz erheblich zu reduzieren und somit das Narkoserisiko im Ganzen stark herab zu setzen.

Die Risiken der lokalen Anästhesie selbst sind im Allgemeinen gering. Im schlimmsten Fall kann es zu einer dauerhaften Schädigung der Nerven kommen. Dies kommt jedoch nur äußerst selten vor. Wenn der Nerv eine Schädigung aufweist, ist diese in den aller meisten Fällen nur zeitlich begrenzt und der Nerv erholt sich gewöhnlich wieder vollständig.

Leider sind sowohl beim Menschen als auch beim Tier der Lokalanästhesie Grenzen gesetzt und wir können nicht jede einzelne Region oder nicht immer das komplette Operationsgebiet lokal betäuben.

Ist dies nur teilweise oder gar nicht möglich, geht kein Weg an einer tiefen Allgemeinnarkose mit starken Schmerzmitteln vorbei. Auch dann ist ein für das Tier schmerzfreier Eingriff durchführbar. Die gute Ausstattung unserer Geräte und die weitreichende Erfahrung hilft uns in solchen Fällen Ihr Tier, auch wenn es schwer erkrankt oder sehr alt ist, möglichst sicher durch die Narkose zu führen.